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Investitionen in Startups: Chancen und Risiken für Anleger und Gründer

Investitionen in Startups: Chancen und Risiken für Anleger und Gründer

Die Welt der Investitionen in Startups zieht Jahr für Jahr mehr Anleger an — und das aus gutem Grund. Junge, wachstumsstarke Unternehmen versprechen hohe Renditen, frische Geschäftsmodelle und die Möglichkeit, an echter Innovation teilzuhaben. Doch hinter diesem Glanz verbergen sich erhebliche Risiken, die sowohl Anleger als auch Gründer kennen müssen. Rund 90 Prozent aller Startups scheitern innerhalb der ersten fünf Jahre — eine Zahl, die jeden potenziellen Investor zum Nachdenken bringen sollte. Wer die Chancen und Risiken für Anleger und Gründer nüchtern abwägt, trifft bessere Entscheidungen. Dieser Beitrag liefert das Rüstzeug dafür.

Warum Startups als Anlageform so attraktiv sind

Startups versprechen etwas, das klassische Anlageformen selten bieten: exponentielles Wachstum in kurzer Zeit. Ein Unternehmen, das heute mit einer Millionenbewertung startet, kann innerhalb weniger Jahre zur Milliardenbewertung aufsteigen. Genau dieses Potenzial zieht Risikokapitalgeber, sogenannte Venture-Capital-Gesellschaften, und Privatinvestoren gleichermaßen an.

Der durchschnittliche Renditesatz für Investoren im Startup-Bereich liegt bei 10 bis 20 Prozent — sofern das Unternehmen erfolgreich ist. Diese Zahl klingt bescheiden, doch einzelne Erfolgsgeschichten übersteigen diesen Wert um ein Vielfaches. Wer früh in ein Unternehmen wie Zalando oder Wirecard eingestiegen ist, hat das am eigenen Depot gespürt, in beide Richtungen.

Neben der Rendite lockt auch der strategische Zugang zu Innovation. Viele Unternehmensgruppen investieren in Startups nicht primär wegen der Rendite, sondern um neue Technologien frühzeitig zu verstehen und gegebenenfalls zu integrieren. Das Startup-Investment wird so zu einem Instrument der Marktbeobachtung.

Frankreich zeigt, wie staatliche Förderung den Markt beflügeln kann. BPI France, die öffentliche Investitionsbank, hat gemeinsam mit dem European Investment Fund Milliarden in junge Unternehmen gelenkt. Im Jahr 2022 flossen allein in Frankreich rund 500 Millionen Euro in Startup-Finanzierungen — ein Beleg dafür, dass der Markt institutionelle Reife erreicht hat. Auch das Netzwerk French Tech hat dazu beigetragen, ein stabiles Ökosystem aufzubauen, das internationale Investoren anzieht.

Für Gründer bedeutet diese Investitionsbereitschaft mehr als nur frisches Kapital. Sie erhalten Zugang zu Netzwerken, Mentoring und strategischer Beratung, die den Unterschied zwischen Scheitern und Wachsen ausmachen können. Das Kapital ist oft das Einfachere — das Wissen, das mitkommt, ist der eigentliche Schatz.

Die Risiken, die Investoren häufig unterschätzen

Die Misserfolgsquote von 90 Prozent ist keine Übertreibung. Sie ist statistisch belegt und betrifft alle Branchen, alle Regionen und alle Phasen der Unternehmensentwicklung. Wer in Startups investiert, muss diesen Verlust als reale Möglichkeit einkalkulieren — nicht als Ausnahme, sondern als Regel.

Das größte Risiko liegt in der Informationsasymmetrie. Gründer kennen ihr Unternehmen in- und auswendig. Investoren hingegen erhalten nur das, was ihnen präsentiert wird. Selbst erfahrene Business Angels — also Privatinvestoren, die Startups mit Kapital und Erfahrung unterstützen — werden regelmäßig von geschönten Zahlen oder überzogenen Prognosen überrascht.

Ein weiteres strukturelles Problem ist die Illiquidität. Im Gegensatz zu Aktien kann man seinen Anteil an einem Startup nicht einfach verkaufen. Das Kapital ist gebunden, oft über Jahre hinweg. Wenn das Unternehmen nicht an die Börse geht oder übernommen wird, bleibt das Investment eingefroren. Das bedeutet: Wer kurzfristig auf sein Geld angewiesen ist, hat im Startup-Bereich nichts verloren.

Auch die Verwässerung von Anteilen ist ein unterschätztes Risiko. Jede neue Finanzierungsrunde bringt neue Investoren, die Anteile am Unternehmen erhalten. Frühinvestoren sehen ihren prozentualen Anteil schrumpfen — manchmal so stark, dass selbst ein erfolgreicher Exit kaum noch Rendite bringt. Schutzklauseln im Gesellschaftsvertrag können helfen, sind aber Verhandlungssache.

Gründer tragen ein anderes, aber ebenso reales Risiko: Sie setzen ihre Zeit, ihre Ersparnisse und oft ihre berufliche Reputation aufs Spiel. Ein gescheitertes Startup hinterlässt keine strahlende Visitenkarte — auch wenn die Fehlerkultur in Deutschland langsam reifer wird. Der persönliche und finanzielle Druck auf Gründer ist enorm, besonders in der Frühphase, wenn die Unsicherheit am größten ist.

Wie man ein Startup vor dem Investment bewertet

Eine gründliche Due Diligence ist keine Option, sie ist Pflicht. Wer ohne strukturierte Analyse investiert, spekuliert. Wer strukturiert vorgeht, trifft zumindest informierte Entscheidungen. Die folgenden Kriterien haben sich in der Praxis bewährt:

  • Gründerteam: Verfügt das Team über nachweisbare Erfahrung in der Branche? Ergänzen sich die Kompetenzen? Ein starkes Team überlebt Produktprobleme — ein schwaches Team scheitert trotz guter Idee.
  • Marktgröße: Ist der adressierbare Markt groß genug, um das angestrebte Wachstum zu rechtfertigen? Nischenmärkte können profitabel sein, tragen aber selten zu Milliardenbewertungen bei.
  • Geschäftsmodell: Ist das Modell klar, skalierbar und erprobt? Ein Startup, das nicht erklären kann, wie es Geld verdient, ist kein Investment — es ist eine Wette.
  • Traction: Gibt es erste Kunden, erste Umsätze, erste Wachstumsdaten? Zahlen aus der Realität sind aussagekräftiger als jede Präsentation.
  • Wettbewerbssituation: Wer sind die direkten Konkurrenten? Was unterscheidet das Startup von ihnen? Ein klarer Differenzierungsvorteil ist kein Luxus, er ist überlebenswichtig.

Neben diesen Kernkriterien lohnt ein Blick auf die rechtliche Struktur des Unternehmens. Sind Schutzrechte angemeldet? Gibt es offene Rechtsstreitigkeiten? Wie sind die Gründer vertraglich gebunden? Diese Fragen klingen bürokratisch, können aber über Erfolg und Misserfolg eines Investments entscheiden.

Plattformen wie Statista liefern Branchendaten, die helfen, Marktprognosen zu validieren. Wer die Zahlen eines Startups mit unabhängigen Marktdaten abgleicht, erkennt schnell, ob die Wachstumsannahmen realistisch oder fantasievoll sind.

Welche Akteure das Startup-Ökosystem prägen

Investitionen in Startups funktionieren selten im Vakuum. Ein stabiles Ökosystem aus Förderinstitutionen, Inkubatoren und privaten Investoren ist die Voraussetzung dafür, dass junge Unternehmen überhaupt eine Chance haben, zu wachsen.

BPI France übernimmt in Frankreich eine Schlüsselrolle als öffentlicher Investor, der privates Kapital hebelt. Das Prinzip: Wenn die staatliche Bank mitinvestiert, signalisiert das anderen Investoren, dass das Unternehmen eine Grundprüfung bestanden hat. Ähnlich funktioniert der European Investment Fund auf europäischer Ebene, der Risikokapitalgeber mit günstigem Kapital versorgt und so die Finanzierungsbedingungen für Startups verbessert.

Inkubatoren und Akzeleratoren bieten mehr als nur Büroräume. Sie stellen Mentoren, Netzwerke und strukturierte Programme bereit, die Gründer durch die kritischen ersten Monate führen. Bekannte Beispiele sind die Programme von Station F in Paris oder die zahlreichen Hochschulinkubatoren in Deutschland. Für Investoren sind diese Strukturen ein Qualitätssignal: Ein Startup, das einen renommierten Akzelerator durchlaufen hat, wurde bereits von Fachleuten bewertet.

Die Rolle der Business Angels ist in der Frühphase oft entscheidend. Sie investieren nicht nur Geld, sondern bringen Erfahrung, Kontakte und strategisches Denken mit. Für Gründer bedeutet ein Business Angel häufig den Unterschied zwischen einer Idee auf Papier und einem funktionierenden Prototyp. Das Netzwerk French Tech hat in Frankreich gezielt dazu beigetragen, solche Verbindungen zwischen Gründern und erfahrenen Unternehmern zu fördern.

Auch Crowdfunding-Plattformen haben das Investmentspektrum erweitert. Privatpersonen können heute mit kleinen Beträgen in Startups einsteigen — was demokratisch klingt, aber eigene Risiken mit sich bringt. Die Kontrolle über das Investment ist minimal, die Informationslage oft dünn.

Was Anleger und Gründer für eine tragfähige Partnerschaft brauchen

Eine Investitionsbeziehung zwischen Anleger und Gründer ist keine reine Geldtransaktion. Sie ist eine langfristige Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen und klaren Erwartungen basiert. Scheitert diese Beziehung, scheitert oft auch das Unternehmen.

Für Anleger bedeutet das: Wähle Startups, deren Branche du verstehst. Wer in ein Unternehmen investiert, dessen Technologie er nicht erklären kann, hat keine Grundlage für eine sinnvolle Begleitung. Diversifikation ist im Startup-Bereich keine Strategie, sie ist Überlebensprinzip. Wer sein gesamtes Kapital in ein einziges Startup steckt, geht ein Risiko ein, das kein Renditepotenzial rechtfertigt.

Für Gründer gilt: Transparenz gegenüber Investoren zahlt sich langfristig aus. Wer schlechte Nachrichten früh kommuniziert, erhält eher Unterstützung als wer Probleme verbirgt. Die besten Investoren sind keine Kontrolleure — sie sind Partner, die in schwierigen Phasen mitdenken.

Die Vertragsbedingungen sollten von Anfang an klar geregelt sein: Bewertung, Verwässerungsschutz, Mitspracherechte, Exit-Szenarien. Ein guter Anwalt ist bei diesen Verhandlungen keine unnötige Ausgabe, sondern eine Investition in die eigene Absicherung. Gründer, die diese Details vernachlässigen, verlieren im Zweifel die Kontrolle über ihr eigenes Unternehmen.

Der Startup-Markt hat 2021 und 2022 einen Boom erlebt, der 2023 spürbar abgekühlt ist. Bewertungen sind gesunken, Finanzierungsrunden dauern länger, Investoren sind wählerischer geworden. Das ist keine Krise — es ist eine Normalisierung. Wer in diesem Umfeld investiert oder gründet, braucht realistische Erwartungen und eine solide Strategie. Wer beides hat, findet im Startup-Bereich nach wie vor außergewöhnliche Möglichkeiten.

Redactie Unternehmer Erfolg

Die Redaktion von Unternehmer Erfolg besteht aus erfahrenen Fachautoren mit praktischem Hintergrund in Unternehmensführung, Steuerrecht und Finanzwirtschaft. Über uns